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Nützliche Helfer: Computer und Internet als Elemente von Nichtraucher-Programmen

Können Internet oder Personal Computer bei der Durchführung von Nichtraucher-Programmen hilfreich sein? Eine Bilanz von insgesamt 22 schon veröffentlichten Studien mit knapp 30 Tausend Teilnehmern an Nichtraucher-Programmen hat jetzt gezeigt: Sowohl die Nutzung von Personal Computern als auch der Einbezug des Internet erwiesen sich als effektive Einflussfaktoren und erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tatsächlich mit dem Rauchen aufhörten. Allerdings zeigte sich dieser Einfluss nicht für Jugendliche, sondern nur für Erwachsene.

Die Möglichkeiten zu persönlich zugeschnittenen Informationen, etwa nach Bildungsniveau oder Lebensalter, und ebenso zu einem individuellen Feedback sind mit den Hilfsmitteln PC und Internet und entsprechenden Programmen recht einfach zu verwirklichen. Bisher veröffentlichte Studien zeigten hierzu allerdings ein widersprüchliches Bild: Während einige Untersuchungen einen positiven Effekt nachweisen, zeigen sich in anderen Studien kaum Unterschiede zwischen Untersuchungs- und Kontrollgruppen.

Eine Forschungsgruppe aus Südkorea hat daher jetzt eine sogenannte "Meta-Analyse" durchgeführt und in der renommierten Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine" veröffentlicht. In solchen Meta-Analysen werden Untersuchungsergebnisse unterschiedlicher Studien zu denselben medizinischen Maßnahmen oder Gesundheitsförderungs-Programmen, die oft auf kleineren Untersuchungsgruppen basieren, zusammengeführt und mit Hilfe statistischer Verfahren eine Gesamtbilanz gezogen.

Einbezogen wurden von den Wissenschaftlern 22 Studien zur Raucherentwöhnung, die alle eine Untersuchungsgruppe (mit Internet- oder PC-Einsatz) und eine Kontrollgruppe (ohne Internet/PC) gebildet und die Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip diesen Gruppen zugeordnet hatten. 16.050 Männer und Frauen waren in den Untersuchungsgruppen beteiligt, 13.499 in den Kontrollgruppen. Berücksichtigt wurden Studien nur dann, wenn sie den Effekt ihrer Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten kontrollierten. Als Indikatoren für den Erfolg wurde zumeist die Quote der Nichtraucherinnen und Nichtraucher nach einem bestimmten Zeitraum (3 bis 12 Monate nach der Programmbeginn) berücksichtigt. Überprüft wurden auch Effekte bei unterschiedlichen Teilgruppen, differenziert nach den Rahmenbedingungen der Maßnahmen (Internet- oder PC-Einsatz, mit und ohne zusätzlichen Nikotinersatz durch Kaugummi, Pflaster oder Medikamente).

Folgende Ergebnisse zeigten sich:

Sowohl der Einsatz des Internet wie auch der von Personal Computern, die persönlich zugeschnittene Informationen, Beratungen und Unterstützungstexte präsentierten, erwies sich als effektiv im Vergleich zu Nichtraucher-Programmen ohne solche Hilfsmittel. Im Durchschnitt waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Untersuchungsgruppen etwa anderthalbmal so oft erfolgreich in Bezug auf den Nikotinverzicht wie diejenigen der Kontrollgruppen. Dabei zeigten sich keine Unterschiede zwischen der Verwendung von Computern oder dem Internet.

Die Erfolgsquoten differierten erheblich: In einigen Studien mit großer Teilnehmerzahl betrugen sie beispielsweise 4,1% (Untersuchungsgruppe) und 2,0% (Kontrollgruppe), in anderen 20,1% bzw. 15,9%. Im Durchschnitt aller Studien und Untersuchungsgruppen lagen die Abstinenzquoten bei 9,9% bzw. 5,7%.

Die Erfolgsquoten variierten in den Untersuchungsgruppen zwischen 3 Prozent und 28 Prozent. Damit wird auch deutlich, dass für ein erfolgreiches Programm zur Raucherentwöhnung die per Internet oder PC gelieferte Information und das Feedback nur ein Element von vielen ist, um eine Maßnahme zur Gesundheitsförderung erfolgreich durchzuführen

Der zusätzliche Einbezug von Nikotinersatztherapien erbrachte für die Untersuchungsgruppen keinen nennenswerten, also statistisch signifikanten zusätzlichen Positiveffekt.

Für die Wissenschaftler überraschend war der Befund, dass die Hilfsmittel Computer und Internet nur für Erwachsene bei der Raucherentwöhnung positive Effekte auslösen - bei Jugendlichen brachte dies keinen Vorteil. Ob dies an der speziellen Zusammensetzung der in nur drei Studien berücksichtigten jugendlichen Gruppen lag oder daran, dass Internet und Personal Computer ganz generell für Jugendliche keinen speziellen Anreiz bieten - die Beantwortung dieser Frage wird von den Wissenschaftlern als Aufgabe für zukünftige Forschungsprojekte definiert.

Quelle: Seung-Kwon Myung et al: Effects of Web- and Computer-Based Smoking Cessation Programs - Meta-analysis of Randomized Controlled Trials; Arch Intern Med. 2009;169(10):929-937.

 Kostenlos verfügbar ist ein Abstract der Studie